Veröffentlicht: Dienstag, 3. September 2013 in Kategorie: Ausdauersport und Wandern

Kamen Pawlow hat den „rennsteig-nonstop“ – bewältigt!

Rennsteig-Kamen mit seiner Urkunde – zweiter Abend nach dem Start vom „rennsteig-nonstop 2013“

Rennsteig-Kamen mit seiner Urkunde – zweiter Abend nach dem Start vom „rennsteig-nonstop 2013“

30.-31.08.2013, 168 km in 25:12 Stunden

Ein persönlicher Bericht von Kamen Pawlow

Vorrede

Wenn Gunter Rothe und das „Lauffeuer Fröttstädt“ den thüringenULTRA und den „rennsteig-nonstop“ nicht organisiert hätten, wäre ich nie im Leben solche Distanzen gelaufen!

Wenn der 100. ein ULTRA-Lauf ist, wie kann man dann den 168. bezeichnen? Rennsteig-EXTREM!

Auf solch einer Distanz im Thüringer Wald ist man gut beraten, einen Radbegleiter zu haben, oder Betreuer, die an der Strecke stehen. Ich war ein „Alleinläufer“, habe mich aber nie allein gelassen gefühlt!

Der Extremlauf

Dass ich diesen Lauf beenden werde, habe ich vorher nicht so richtig geglaubt, genau in der Mitte der Extremdistanz wollte ich auch aufgeben, am Ende habe ich mich gewundert, wie viele Reserven ich im Ziel noch hatte! Dafür danke ich meiner Frau Claudia, denn hätte sie mich nicht um 7:30 Uhr per Telefon aufgebaut, würde ich jetzt rum erzählen: „Mehr als 100 km waren nicht drin, wegen: der unendlichen Geraden bis km 38 („Kalte Küche“); wegen der Nacht, in der ich immer wieder mit der Lampe den Weg suchen mußte (Und ich kenne den Rennsteig gut!); und wegen dem 2 kg schweren Rucksack, der mir zuletzt Rückenschmerzen bescherte und ich ihn an der Neuen Ausspanne (km 119) endgültig abwarf.
Es geht auch ohne Ballast…die einzig nützlichen Dinge waren die Lampe und das Handy!

Ende gut, alles gut, jetzt zum LAUF:

Mitorganisator Horst Reinhard brachte uns mit Bussen am Nachmittag des 30. August vom Ziel in Hörschel bis zum Start in Blankenstein. Die Sonne lachte, alles begann wunderbar. Sofort nach dem Start um 18 Uhr der erste Gruppenlacher: Schon bei der ersten Kurve bog das Führungsfeld falsch ab!
Der einzige, der richtig lief, war Jörg Kupfer, der Rennsteig-Profi war schon mal den gesamten Rennsteig im Alleingang gelaufen, beim „rennsteig-nonstop 2013“ errang er den jetzt 3. Platz in 20:24 Stunden! Als die Schnellsten nach einem kleinen Umweg wieder das Feld anführten, musste auch ich dort sein: es macht jedes Mal Spaß, neben Peter Flock – 1. Platz in 19:06 Stunden! – zu laufen und zu quatschen. Nach 15 km blieb ich zurück und mühte mich kilometerweit auf Stecken wie der Frankenwald Hochstraße. Dabei verlor ich Kumpels wie Ullrich Meininger, auch so alt wie ich (53), aber erfahrener: 13. Platz in 23:09. Ab und zu sah ich Hans-Joachim Petermann aus Petriroda – 33. in 24:48, das letzte Mal kurz vor Hörschel. Ansonsten war ich auf weiter Flur alleine, manchmal stundenlang! Ich war einer der Letzten, hinter mir nur noch die Abbrecher, etwa die Hälfte aller Läufer!

TA Gotha, 2.9.2013: „Rennsteig zeigt 110 Läufern sein wahres Gesicht – über 70 geben auf“.

Die Verpflegungsstellen waren 8, bestens ausgestattet und die ehrenamtlichen Helfer alle zuvorkommend, dafür Dank an alle „Unbekannten“! Eine möchte ich hervorheben – Hohe Sonne. Sie wurde geleitet vom bekannten Extremläufer Holger Sakut aus Eisenach: Beschallungsanlage, Ankündigung des Läufers mit extra Musik, ich freute mich über das Rennsteiglied sehr! Jeder konnte vorher einen Extrawunsch bei Holger angeben, bei mit war es ein Schwarzbier mit Alkohol. So gut gelaunt, schaffte ich auch die letzten 14 km, die es in sich hatten – Schlängelkurs hoch und runter bis zum Ziel.

In Hörschel fand am Abend des 31. August eine Zielfeier statt. Von den über 100 Startern mussten leider zu viele aufgeben, das Feld hatte sich so auseinander gezogen, dass oft nur einzelne Läufer in Abständen von 20 min. ankamen. Dafür wurde jeder extra geehrt und bekam seine Urkunde, T-Shirt,
R-Plakette und Abzeichen.

Auf mich warteten 2,5 km vor dem Ziel meine Frau und Tochter – wir liefen vergnügt gemeinsam nach Hörschel. Dort wurde ich vom Sieger Peter Flock umarmt, der mir zu meiner Extremleistung gratulierte. Etwas verwundert war ich schon über die Einschätzung, Peter fügte darauf hinzu:
„Heute gibt es nur Gewinner!“

Nachtrag

Wir saßen im Ziel, tranken vergnügt unser Bier, gingen zu unseren eigenen „Siegerehrungen“ und applaudierten den in der anbrechenden Dunkelheit ankommenden Letzten. „Die Letzten“ freuten sich über ihren Zieleinlauf so ausgiebig, als seien sie „Die Ersten“. So etwas habe ich noch nie erlebt!

Fazit

Das war der härteste Lauf meines Lebens, so weit war ich noch nie aus eigener Kraft unterwegs!

 

Der Tag danach

Erstaunlicherweise habe ich jetzt nur einen mini-mini Muskelkater und nur eine kleine Blase! Ist das normal?

Korrektur, nachdem die offizielle Ergebnisliste auf www.thueringenultra.de veröffentlicht wurde:

Von insgesamt 109 Startern erreichten 66 das Ziel, darunter 6 Frauen.

Mein Wertungsplatz war insgesamt 38, bei den Männern 36  in 25:12 Stunden,

fast im 1. Drittel aller Starter und in der Mitte der Finisher, für mich ein unfaßbarer Erfolg!

Kamen Pawlow

R-nonstop2013-Km119_500

Clara mit Kamen an der Neuen Ausspanne – km 119, 11:10 Uhr

Clara mit Kamen und Sieger Peter Flock im Ziel – km 168, 19:15 Uhr

Clara mit Kamen und Sieger Peter Flock im Ziel – km 168, 19:15 Uhr