Veröffentlicht: Montag, 20. April 2015 in Kategorie: Allgemein

Wanderung zum „Deutschen Eck“ des Landkreises Gotha

Unter sach- und fachkundiger Führung von Ronald Werner fand am 12.April 2015 die Wanderung des FSV Gotha von Georgenthal zum Boxberg statt. Thema der Veranstaltung: „Wasser für die Wasserkunst“, d.h. beginnend am Flößgraben in Georgenthal bis hin zum Leinakanal am Boxberg.

Die Wanderung war ein Sprung zurück in die Geschichte der Entstehung der Wasserversorgung der Stadt Gotha. Im 14.Jahrhundert bestand in der Stadt Gotha erheblicher Wassermangel und da unsere jetzige Kreisstadt an keinem natürlichen Wasserweg liegt wurde die Idee zum Bau eines künstlichen Wasserweges geboren. Der damalige Landgraf Balthasar beauftragte seinen Werksmeister Conradus mit der Planung und dem Bau des Leinakanals. Die genaue Gesamtbauzeit ist nicht bekannt, fest steht aber, im Jahre 1369 war dieses Bauwerk fertig. Die Gesamtlänge von Schönau v.d. Walde bis Gotha beträgt 28,7 km und weist ein Gesamtgefälle von 60m auf (dies entspricht 2,1 % auf einem Kilometer). Man rätselt noch heute über die genauen Methoden der Planung und Durchführung, die Erklärungen reichen bis hin in die Sagenwelt, ich sage mal: die „Jungs“ waren ganz einfach pfiffig und das sind wir Gothaer ja heute noch. Ca. 300 Jahre später erkannte man aufgrund des Bevölkerungswachstums und der Entwicklung der Bedürfnisse (z.B. das Bierbrauen) reichte das Wasser wieder mal nicht hinten und vorn. Die nächste Idee wurde in die Tat umgesetzt: der Bau des Flößgrabens von Georgenthal nach Emleben mit Einspeisung in den Leinakanal. Diesmal lagen Planung und Durchführung in den Händen von Forstmeister Schmidt. Bauzeit 6 Jahre und Fertigstellung im Jahre 1653 und damit entstand ein „Kleines Deutsches Eck“ in unserem Landkreis.

Und nun springen wir wieder zurück in die Gegenwart. Start der Wanderung war gegen 10.00 Uhr am Schleusenwerk des Flößgrabens in Georgenthal. Insgesamt 23 Wanderfreunde fanden sich ein, davon auch einige Nichtmitglieder des FSV, die für einen Unkostenbeitrag von 3,- Euro/Person teilnehmen konnten. Die Anreise ging problemlos über die Buslinien unseres Landkreises, so dass man endlich mal seinen Privatwagen zu Hause lassen konnte. Der Wanderweg führte uns am westlichen Rand von Georgenthal vorbei und hier erkannte man erst, abseits der üblichen Verkehrswege, welches umfangreiches Kanalsystem um und im Ort existiert = ein richtiges kleines Venedig. Der Zufall wollte es, dass wir auch die Mühen bei der Instandhaltung dieses System aktuell begutachten konnten . Vom Waldrand ausgehend ist der ganze Ortsrand am Flößgraben eine einzige Baustelle. Dann ging es immer am Flößgraben entlang bis nach Petriroda. Dies über Pferdekoppeln, an Rinderweiden vorbei, Bahngleise kreuzend und wunderschönen Frühlingswiesen von denen man auch weite Blicke zum Rennsteig und zum ehemaligen Truppenübungsplatz Ohrdruf hatte. Am westlichen Rand von Petriroda liegt der „Rest“ des „Kranichmoores“. Genau an dieser Stelle  machten wir um die Mittagszeit die „Hufe“ lang, stärkten uns mit den selbst mitgebrachten Versorgungspaketen und sammelten wieder Kraft für den zweiten Abschnitt der Wanderung. Ab da ging es nicht mehr über ausgetretene Pfade, denn man musste, um am Wasser zu bleiben, querfeldein und damit trittsicher sein. Aber diese Mühen lohnten sich vielfach. Was hier versteckt an Teichsystemen und verschachtelten Kanälen zu sehen war, man konnte nur immer wieder staunen: waren die damals fleißig!

In Emleben besichtigten wir dann die Schleuse, über die der Flößgraben in den Leinakanal eingespeist wird, direkt an der Strasse gelegen und von Autofahrern nicht bemerkbar. Wie überhaupt die vielen Überquerungen des Kanalsystems (in Form von Brücken und ähnlichem) erst durch eine Wanderung sichtbar werden.

Insgesamt passierten wir 21 solche Übergänge. Von Emleben ging es zum Boxberg, dies war dann nur noch ein Katzensprung. Insgesamt17 Kilometer und 6 Stunden unterhaltsames Wandern lagen hinter uns und was bietet sich da besser an, als eine „Einkehr“ zum gemütlichen Abschluß. Die Waldbahn war dann der Zubringer zurück in unsere Kreisstadt.

Ein rundherum schöner Wandertag lag hinter uns und das Wetter war der guten Stimmung angepasst. Danke unserem Wanderführer Ronald!

Die Bilder entstanden durch Beate Werner wie auch die Idee mit dem Maskottchen.

 

Wolfgang Linke

 

Wandervorschau : am 14. Juni 2015 findet eine Hörselbergwanderung unter dem Motto “ Auf den Spuren Tannhäusers “ statt.