Veröffentlicht: Montag, 18. September 2017 in Kategorie: Persönliche Erlebnisse

Deutsche Meisterschaft der Deutschen-Ultra Marathon-Vereinigung

Persönlicher Bericht von Kamen Pawlow,
gestartet für den GutsMuths-Rennsteiglaufverein

171  Kilometer
Primzahl, länger als der Rennsteig!
40. von 155, 9. von 19 – der AK 55

Mein erster 24-Stunden-Lauf und eine ganz neue Erfahrung!

Zuallererst möchte ich mich bei allen Organisatoren und Helfern eines ultra Sportereignisses bedanken! Die DUV-Macher waren vor Ort, das „Lauffeuer Fröttstädt“ und die „Lauffreunde Gotha“ waren diejenigen, die alles für die Läufer getan haben! Und sie hatten sogar Wettkampfteilnehmer aus den eigenen Reihen „delegiert“. Das Lauffeuer wurde souveräner Mannschaftsieger!

Zunächst möchte ich aus der TLZ+TA Thüringen, 4.9.2017, Axel Eger, kurz zitieren:
„Lauffeuer Fröttstädt ist deutscher Mannschaftsmeister im 24-Stunden-Ultralauf. Der Gastgeber der Titelkämpfe, die am Wochenende rund um Schloss Friedenstein Gotha ausgetragen wurden, feierte durch Lena Petermann, Martin Armenat, Aurel Weber und Peter Flock gleich vier Altersklassensiege und gewann in der Teamwertung mit 35 Kilometern Vorsprung…
In der Einzelwertung feierte die Seriensiegerin der vergangenen Jahre, Antje Krause aus Marburg, einen weiteren Triumph – es war ihr fünfter hintereinander. Stu Thoms, Titelverteidiger der Männer, verpasste dagegen seine vierte Meisterschaft in Folge, der Berliner wurde Dritter. Gold ging an den Hamburger Marcel Leuze, der starke 240 Kilometer zurücklegte. Vorzeitig aussteigen musste Ex-Weltmeister Florian Reus. Der Würzburger gab nach 165 Kilometern wegen Unwohlseins auf.“

Alles Weitere unter www.dm24h.de Jetzt meine persönliche Eindrücke von der 24-h-DM in meiner Stadt Gotha:

Die Kulisse der diesjährigen 24-h-DM war einzigartig: ein 2 km ebener Rundkurs um das große frühbarocke Residentschloss Friedenstein auf Parkwegen im ersten englischen Garten von 1766 auf dem Kontinent! Start, Zeitmessung und Verpflegung unterhalb der Stadtseite vom Friedenstein vor dem Denkmal Ernst des Frommen, der 1640 das Herzogtum Sachsen Gotha begründete. In der weiteren Achse sah man die Wasserkunst und das Rathaus der Residenzstadt. Beeindruckender könnte die Kulisse nicht sein! Wer nach 10 Stunden Laufen noch ein Blick für das Schöne hatte, wurde wirklich reichlich belohnt! Im Landschaftspark waren die Wettkampfwege in der Nacht zusätzlich ausgeleuchtet von der Freiwilligen Feuerwehr Fröttstädt. Da wirkten die mächtigen Eichen märchenhaft bizarr!

Ein Vorteil der Minirunde von 2 km war, dass ich ständig die anderen Läufer sah, mit ihnen schwatzen konnte und manchmal auch mitlief, obwohl ihr Tempo deutlich schneller war, als meines! Es hat mich dann schon beeindruckt, als Lauffreunde vom Lauffeuer wie Peter, Martin, Aurel und Rico an mich vorbeizogen. Alle 2 km eine prima Verpflegung, die ich oft ausließ.
Bei einem „ähnlichen“ Wettkampf des Lauffeuers, dem Rennsteig-Nonstop mit 2900 Höhenmetern, geht es entlang des gesamten Kamms vom Thüringer Wald 168 km hoch und runter und die Läufer sind auf Distanzen von 20 km auf sich allein gestellt! Würde mich sehr freuen, einige neue Bekannte von der 24-h-DM beim nächsten Rennsteig-Nonstop wieder zu treffen!

Wie kann man der Verlauf eines unendlichen Laufs beschreiben? Wer will sich Höhen und Tiefen von 24 Stunden anhören? Ich erspare es Euch. Nur ein paar Details:
Schon vor dem Start sagte ein Lauffreund zu mir: „Die Primzahl deiner Startnummer bringt Dir Glück!“
Und es wurde ein richtig guter Start! Beim besten Laufwetter: keine 20 Grad und kein Regen (trotz schlechterer Vorhersage) während des gesamten Laufs. Und die einstelligen Temperaturen in der Nacht haben mich überhaupt nicht gestört! Es wurde mir oft zugerufen: „Frierst Du nicht, so kurzärmelig?“

Am Anfang habe ich mir sogar den Geck erlaubt und bin hinter dem Ersten gelaufen – Marcel Leuze wurde dann auch Gesamtsieger! Nach der 2. Rund war ich schon 3., nach der 4. – 4. usw. Ich scherzte schon: „So mache ich weiter, bis ich letzter werde!“ Nein, ich habe mich schon angestrengt: Den GutsMuths-Rennsteig-Supermarathon (74 km) schaffte ich in 8 Stunden, den Thüringen-ULTRA im 13. Da war es schon Nacht und ich hatte eine 50 min Pause eingelegt. Der Thüringen-ULTRA, ausgetragen vom Lauffeuer Fröttstädt mit Chef Gunther Rothe ist ein 100 km Rundkurs mit über 2150 Höhenmetern!
Gunther läuft da immer mit, bei der 24-h-DM tat er es verständlicherweise nicht, war aber die ganze Zeit mit dabei.

Meine 24-h-DM habe ich mir so eingeteilt: erste Hälfte Laufen, sogar schnell, solange es Spaß gemacht hat; 2. Hälfte hauptsächlich Gehen. Und das schnelle Gehen war für mich eine neue Herausforderung. Sie brachte mir einen schrecklichen Muskelkater (aber zum Glück erst danach) in Muskeln, wo ich sonst keine Probleme bekomme.
Und der Ischias-Schmerz, der mich seit Monaten quält, ist weg!

In der Unendlichkeit dieses Laufs der Superlative haben mich häufige Gäste beflügelt. Danke an meine Frau und Tochter, an meine Vereinsfreunde/innen von der Laufgruppe des „FSV 1950 Gotha“ und an meinen Arzt, der trotz einer niederschmetternden Diagnose zu meiner Wirbelsäule nur wenige Tage vor dem Lauf, mich vom Laufen nicht abhielt und am Anfang und am Ende sogar zu der Laufstrecke kam.

„Ende gut, alles gut!“ und „Der Weg ist das Ziel!“
GutsMuths-Läufer-Kamen